Startseite | sidemap | Kontakt | Impressum | Haftungsausschluss | Von A-Z | Download und Links | Datenschutzerklärung

Weihnachten mit dem Lied "Stille Nacht"

„Sogleich in der Heiligen Nacht mit allem Beifall produziert!“
Das Lied „Stille Nacht“ wird 200 Jahre alt


Bei der Christmette am Heiligen Abend um 22.00 Uhr in Ober-Wegfurth und im musikalischen Gottesdienst am zweiten Christtag um 18.30 Uhr in Rimbach wird das Lied „Stille Nacht“ im Zentrum stehen, denn „Stille Nacht“ wird 200 Jahre alt.

Am Lied „Stille Nacht“ scheiden sich die Geister. Für die einen gehört dieses Lied unbedingt zum Weihnachtsfest. Die ersehnte weihnachtliche Stimmung soll sich einstellen, wenn Placido Domingo oder die Wiener Sängerknaben von CD oder als MP den „holden Knaben im lockigen Haar“ besingen. Die anderen, die sich zwar kaum der Melodie und dem Text ganz entziehen können, halten das Lied für reinen Kitsch. Sie stellen das „traute hochheilige Paar“ neben „Kling Glöckchen klingelingeling“ und „Süßer die Glocken nie klingen“ und hören lieber klassische Streicher- oder Bläserklänge am Heiligen Abend. Schroffste Ablehnung und zersetzenden Spott aber auch hemmungslose Begeisterung finden wir bei der Bewertung des Liedes.

Legt man der Bewertung des Liedes den ursprünglichen Text zu Grunde, kann das Urteil differenzierter ausfallen. Über die Jahre hinweg wurde nämlich aus den ursprünglich sechs Strophen eine nicht glückliche Auswahl getroffen, die die tröstliche Botschaft des Liedes verstümmelte und nur noch einen volkstümlichen Kitsch-Torso übrigließ. Textdichter und Komponist scheinen Menschen gewesen zu sein, die mit einem feinen Ohr die tiefe, wahre Frömmigkeit gehört haben, die aus den geistlichen Liedgut der Bergbauern seit Jahrhunderten erklang. Mit dem einfachen Lied wollten Textdichter und Komponist den Menschen die Botschaft des Christfestes vermitteln. Sie kannten die Menschen, die am Heiligen Abend im Kirchenschiff Platz nehmen: ratlose Menschen, Trostsuchende, Menschen mit Problemen und Fragen, und Menschen, die tatsächlich etwas vom Gottesdienst erwarten.

Der Textdichter geht in den ursprünglich sechs Strophen des Liedes nicht auf in einer unklaren Gefühlsseligkeit. Er predigt vielmehr vom Wunder der Heiligen Nacht. Er predigt davon, dass das Kind in der Krippe der Mensch-gewordene Gott ist, der sich uns Menschen zuwendet. Mit der Geburt des Kindes beginnt Gottes Liebes- und Heilsweg. Ja, die „Gnadenfülle“ Gottes wird sichtbar durch „Jesum in Menschengestalt.“ Alle „Völker der Welt“ werden in Christus von Gottes Liebe umschlossen. Der Verfasser hebt hervor, dass sich die alttestamentlichen Verheißungen, die Heilszusagen an die „Väter in urgrauer Zeit“, jetzt erfüllen. Wer war der Verfasser und wie ist das Lied entstanden?

Das Lied „Stille Nacht“ entstand an einem Tag, nämlich am 24. Dezember 1818. In seiner „Authentischen Veranlassung zur Composition des Weihnachtsliedes „Stille Nacht“, beschreibt der Komponist Franz Xaver Gruber die Entstehung. „Es war den 24. Dezember 1818, als der damalige Hülfspriester Herr Josef Mohr bei der neu errichteten Pfarr St. Nicola in Oberndorf dem Organistendienst vertretenden Franz Gruber (damals zugleich Schullehrer in Armsdorf) ein Gedicht überreichte, mit dem Ansuchen eine hierauf passende Melodie für 2 Solo-Stimmen samt Chor und für eine Guitarre-Begleitung schreiben zu wollen. Letztgenannter überbrachte am nämlichen Abend noch diesem Musikkundigen Geistlichen, gemäß Verlangen, ... seine einfache Composition, welche sogleich in der heiligen Nacht mit allem Beifalle produziert wurde.

Aufgeführt wurde das Lied in der St. Nicola-Kirche in Oberndorf bei Salzburg. Dass die Komposition für zwei Stimmen, Chor und Gitarre eingerichtet wurde, hatte seinen Grund darin, dass kurz vor dem Weihnachtsfest die alte Orgel in der Oberndorfer Kirche ihren Dienst aufgesagte. So blieb nichts anderes übrig, als das Lied mit der Gitarre vorzutragen. Vikar Josef Mohr sang die Oberstimme und begleitete auf der Gitarre. Der Schullehrer und Komponist Franz Xaver Gruber sang den Bass. Der Kirchen- oder Schülerchor wiederholte die vier Schlussakte im vierstimmigen gemischten Chor.

Der Orgelbauer Karl Mauracher aus dem Zillertal wurde 1824/25 nach Oberndorf berufen, um die schadhafte Orgel der St. Nicola-Kirche durch eine neue zu ersetzen. Er nahm das Lied „Stille Nacht“ mit in seine Heimat. Kaum ein Jahr später erklingt das Lied im ganzen Zillertal in den Dorfkirchen zur Orgel und in den Bauernstuben zur Zither. Fälschlicherweise als „Tiroler Volkslied“ bezeichnet, trat das Weihnachtslied noch zu Lebzeiten von Mohr/Gruber dann seine Weltreise an.

Die Geschwister Strasser aus dem Zillertal, zogen als Handschuhmacher jedes Jahr auf die deutschen Jahrmärkte und Messen. Sie verkauften nicht nur Handschuhe, sondern trugen in kleinen Konzerten auch Lieder ihrer Heimat vor. Am 15. Dezember 1832 gaben die vier Geschwister in Leipzig ein Konzert, bei dem sie auch „Stille Nacht“ vortrugen. Ein Hinweis auf die Herkunft des Liedes wurde nicht gegeben. Andere Sängerfamilien brachten das Lied in weitere Städte Deutschlands. Bereits 1839 kam „Stille Nacht“ in New York vor der ausgebrannten Trinity Church unter freiem Himmel durch die Zillertaler Sängerfamilie Rainer zur Uraufführung. Als König Friedrich Wilhelm IV. das Lied 1851 vom Berliner Domchor aufführen ließ, fand es bald Eingang in viele verschiedene Liederbücher. Heute wird die „Stille Nacht“ auf Englisch, Französisch, ja selbst auf Indonesisch und Äthiopisch besungen. Überall auf der Welt gehört das Lied für viele Menschen zum Weihnachtsfest dazu.

Was lässt sich über die beiden Männer in Erfahrung bringen, die vor 200 Jahren nicht geahnt haben, dass ihr Lied für viele eine solch große Bedeutung erlangen würde?

Josef Mohr, der Dichter, wurde am 11. Dezember 1792 als Sohn der armen, ledigen Strickerin Anna Schoiber in der Felsengasse „am Stayn“ (heute Steingasse 9) in Salzburg geboren. Im Taufbuch der Salzburger Dompfarre wird folgender Eintrag vorgenommen: „1792, 11. Dezember geboren Josef Franz, Sohn des Franz Josef Mohr, Musketier, und der Anna Scholberin, beide ledig, Patin Franziska Zachin, anstatt des Joseph Wohlmut, Scharfrichter.“ Der Vater des Täuflings, Soldat im salzburgischen Heer, ist ein halbes Jahr vor der Geburt seines Kindes aus dem dortigen Schlosskommando desertiert. Um überhaupt einen Paten für das unehelich geborene Kind zu bekommen, hatte sich die Mutter in äußerster Not an den allgemein verachteten und gemiedenen Scharfrichter gewandt. Der grausige Mann, der nach seinem Tagebuch zweiundneunzig Menschen in Ausübung seines Amtes vom Leben zum Tode befördert hat, erschien denn auch nicht in der Kirche, sondern ließ sich durch Franziska Zach vertreten.

Josef Mohr wächst in bitterster Armut heran. Der Vater weilt in fernen Landen beim kaiserlichen Heer, die Mutter kämpft mit drückender Lebensnot. Zwei Gaben sind es, die dem armen Soldatenkind in die Wiege gelegt sind: unbeirrbarer Frohsinn und eine tiefe, echte Liebe zur Musik. Seine Schulzeit verbrachte Josef auf dem Akademischen Gymnasium. Schon sehr früh fand der musikalische Knabe im Salzburger Domchorvikar Johann Nepomuk Hiernle seinen Förderer. Hiernle sorgte dafür, dass Mohr schon von frühem Kindesalter im Gesang, im Violinspiel und an der Orgel ausgebildet wurde. Bald sang Mohr im Universitätschor, später im Stift St. Peter und verdiente damit sogar Geld hinzu. 1808, als Salzburg nach der Besetzung durch die Franzosen bereits drei Jahre zu Österreich gehörte, schied Mohr aus dem Gymnasium aus. Sein Ziehvater Hiernle konnte wegen der ungeheuren Teuerung das Stipendium für seinen Schützling nicht mehr aufbringen. Mohr bewarb sich als Musiker beim Benediktinerstift Kremsmünster. Der völlig mittellose Student bezahlte Kost und Unterricht mit musikalischen Dienstleistungen. Zwei Jahre später kehrte Mohr nach Salzburg zurück und wird 1811 in das Priesterseminar aufgenommen. Seine theologischen Studien schließt er drei Jahr später ab. Josef Mohr erhält am 21. August 1815 im Dom zu Salzburg die Priesterweihe.

Als Hilfspriester beginnt er seine seelsorgerische Tätigkeit in der Ramsau bei Berchtesgaden. Die nächste Pfarre, an die er versetzt wird, ist Mariapfarr im Lungau. Der junge Geistliche leidet an einer schwächlichen Gesundheit. Im Sommer 1817 erkrankt er ernsthaft und wird zur Erholung nach Salzburg geschickt. Er wird dem Pfarrprovisor von Oberndorf als Hilfspriester zugeteilt. Dieser urteilt 1818 über seinen 26-jährigen Hilfspriester: „Sein Wesen ist noch jugendlich unbesonnen, hingebend; burschenmäßig, geht er mit der langen Tabakspfeife und dem Beutel an der Seite über die Gasse... Beim letzten großen Wasser (Überschwemmung) fuhr er gleich anderen Schifferbuben im Nachen herum.“ Nach dem Ende seines Urlaubs bitte Mohr darum, in Oberndorf bleiben zu dürfen. Seiner Bitte wird stattgegeben. Zwei Jahre bleibt Mohr in der kleinen Stadt an der Salzach. Er freundet sich mit dem in Arnsdorf tätigen Lehrer Franz Xaver Gruber an.

Franz Xaver Gruber wurde am 25. November 1787 als dritter Sohn eines armen Leinwebers in Hochburg in Oberösterreich geboren. Auch Gruber wäre ohne das Eingreifen eines befreundeten Gönners kaum zu höherer Bildung gelangt, denn sein Vater bestand fest darauf, dass der Knabe ein ordentliches Handwerk lernen solle, das seinen Mann zwar nicht üppig aber doch halbwegs ernährte. Schon früh aber galt die besondere Liebe des Knaben der Musik. Ohne Wissen des Vaters nahm er beim Stadtpfarrorganisten Hartdobler in Burghausen Unterricht im Geigenspiel und half gelegentlich auf der Orgel aus. Ein solches Orgelspiel soll, dem Bericht nach, endlich des Vaters Widerstand entwaffnet haben. Franz Gruber durfte Lehrer werden. „Im Jahr 1806 gieng er zum Schulfache und wurde ein Jahr darauf als Lehrer und Meßner bei der Nebenschule Armsdorf (nur drei Kilometer von Oberndorf entfernt) angestellt, versah von dort aus, als im Jahr 1816 bei der Territorial-Ausgleichung die Vorstadt Oberndorf von der Stadt Laufen getrennt wurde, mit Bewilligung seiner Obern (in Ermanglung eines passenden Individuums) den Cantors- und Organistendienst zu St. Nicola bis zum Jahr 1829.“

Die St. Nicola-Kirche in Oberndorf wurde zu der Stätte, an der die sechs Strophen des Liedes „Stille Nacht“, das die beiden Freunde getextet und komponiert hatten, in der Christnacht 1818 erstmals erklangen. Die Kirche wurde in der Folgezeit mehrfach durch Überschwemmungen so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass sie 1899-1913 wegen Baufälligkeit abgetragen werden musste. An ihrer Stelle entstand eine kleine Mohr/Gruber-Gedächtniskapelle, die am 15. August 1937 eingeweiht werden konnte. Diese Kapelle ist heute „Pilgerstätte“ der Verehrer des Weihnachtsliedes. Mehrere Tausend Besucher aus aller Herren Länder kommen Jahr für Jahr an diesen Ort. Am Heiligen Abend findet vor dieser Kapelle eine schlichte Gedenkfeier statt, in der an die beiden Schöpfer des Liedes erinnert wird.

Josef Mohr wurde bereits ein Jahr nach der Uraufführung seines Liedes auf eigenen Wunsch nach Kuchl versetzt. In raschem Wechsel folgten weitere zehn Pfarrstellen, an denen Mohr seinen Dienst tat. Diese oftmaligen Versetzungen Mohrs mögen ihre Ursache in seiner schwächlichen Gesundheit gehabt haben, denn ihm wird vom Pfleggericht St. Johann bescheinigt, dass er „sich die Erfüllung aller seiner geistlichen und weltlichen Berufspflichten mit wahrer christlicher Liebe, frommen Eifer, mit Sanftmuth und Geduld bestens angelegen seyn lässt, mit wahrer Andacht und Auferbauung den frommen und religiösen Sinn der ihm anvertrauten Gemeinde unermüdet zu befördern strebt, am Krankenbett den Leidenden mit aller Sorgfalt Trost und Stärkung spendet, in der Schule ein eifriger liebreicher Lehrer, im geselligen Umgang ein biederer Menschenfreund, gegen die Armen ein milder helfender Vater, mit einem Worte: ein wahrer Priester nach der Lehre des Herrn und Heilands, ein Muster und Vorbild des christlichen Lebens für seine Gemeinde sey.“

1837 kommt Mohr als Pfarrer nach Wagrein im Pongau. Umsichtig und unermüdlich beginnt er dort mit dem Aufbau der Armenpflege. Einen Teil seines Einkommens stellt er für soziale Zwecke zur Verfügung. Sich selbst kleidet er äußerst ärmlich und lebt überhaupt sehr bescheiden. Er fördert die Kirchenmusik und führt den deutschen Kirchengesang ein. Mohr trat energisch für den Neubau eines Schulhauses für die 170 schulpflichtigen Kinder ein, die bis dahin in einem aus Holz erbauten verfallenden Mesnerhaus unterrichtet wurden. Bereits im November 1838 konnte das neue Schulhaus geweiht werden. Um den armen Kindern zu helfen, beschaffte Mohr durch Spenden und Kollekten sowie durch persönliche Opfer das nötige Schulgeld. Am 4. Dezember 1848 starb Josef Mohr als Pfarrvikar in Wagrein an einer Lungenlähmung. „Infolge seiner großen Freigebigkeit war sein Nachlass so gering, dass er kaum die Beerdigungskosten deckte“, sagt ein zeitgenössischer Bericht.

Franz Xaver Gruber verließ nach einer Dienstzeit von 21 Jahren Arnsdorf und ging für sechs Jahre nach Berndorf. Als er dann 1835 Stadtpfarrorganist in Hallein wurde, konnte er sich endlich ganz seiner geliebten Musik widmen. In Hallein wirkte Gruber, allgemein geehrt und geliebt, bis er im Alter von sechsundsiebzig Jahren am 7. Juni 1863 stirbt.

In Wagrein und Hallein erinnern nur noch die Grabstätten an Dichter und Komponist des Liedes. Ihr Lied aber ist für viele Menschen ein fester Bestandteil des Christfestes geworden.



Die sechs ursprünglichen Strophen des Liedes "Stille Nacht, heilige Nacht"

1. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
nur das traute heilige Paar.
Holder Knabe im lockigen Haar,
schlafe in himmlischer Ruh!
schlafe in himmlischer Ruh!

2. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn, o wie lacht
Lieb aus deinem göttlichen Mund,
da uns schlägt die rettende Stund.
Jesus in deiner Geburt!
Jesus in deiner Geburt!

3. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
aus des Himmels goldenen Höhn
uns der Gnaden Fülle läßt sehn:
Jesum in Menschengestalt.
Jesum in Menschengestalt.





4. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
väterlicher Liebe ergoss
und als Bruder huldvoll umschloss
Jesus die Völker der Welt.
Jesus die Völker der Welt.

5. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
als der Herr vom Grimme befreit
in der Väter urgrauer Zeit
aller Welt Schonung verhieß.
aller Welt Schonung verhieß.

6. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
durch der Engel Alleluja,
tönt es laut bei Ferne und Nah:
Jesus der Retter ist da!
Jesus der Retter ist da!

Stille Nacht-Kapelle in Oberndorf