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Die alte Orgel in Sandlofs (1885-2018)

Orgel in Sandlofs

Zur Geschichte der Orgel in Sandlofs

Liebl Gedackt 8 Fuss

Bis zum Jahr 1885 wurde das Singen der gottesdienstlichen Gemeinde in Sandlofs durch den Vorsinger geleitet worden, dessen Amt mit der Schulstelle verbunden war. Da aber fast alle Gemeinden im Schlitzerland eine Orgel besaßen, wollten die Sandlofser nicht zurückstehen und erwarben 1885 eine kleine Kirchenorgel.

„Bei dem Orgelpositiv in Sandlofs handelt es sich um ein einmanualiges Instrument mit drei klingenden Registern, mechanischer Traktur und Schleifwindlade. Es ist ein historisches Positiv, das ursprünglich wohl in kammermusikalischer Art als Hausinstrument genutzt wurde und möglicherweise schon im 18. Jahrhundert entstand. Sein Erbauer und das Baujahr sind bisher unbekannt.“ Das Instrument wurde 1885 durch den Orgelbauer Geiß aus Schlitz erworben, etwas verändert und in die Kirche von Sandlofs versetzt.

In der Pfarrchronik ist zu lesen (1885)

Octave 4 Fuss


„Am 2. S. p.Trin, (14. Juni 1885) wurde im Nachmittagsgottesdienst zu Sandlofs die von Orgelbauer Geiß in Schlitz erstandene + wiederhergestellte Orgel mit 3 Registern (sie stammt von dem Herrn Dekan Stock aus Stockhausen, von dem sie Geiß käuflich erworben hatte) von dem Ortsgeistlichen, Pfarrer Specht, geweiht. Das erste Lied, das dann von ihr begleitet wurde, war Nr. 278: „Seelenbräutigam“. Der Predigt hat zugrunde gelegen: 1. Joh. 4,16-21. Zum Schluss sang die Gemeinde Nr. 131: Nun danket alle Gott. Fritz Paul zu Schlitz hat der Orgel ein liebliches Gewand gegeben." (Pfarrchronik, 1885)

Die Orgel wurde aufgestellt und eingeweiht, den vorgesetzten kirchlichen Stellen aber von der Einweihung vorher keinerlei Nachricht gegeben. Erst nachdem alles vorüber war, teilte das evangelische Pfarramt Hutzdorf dem Dekanat Lauterbach von dem, was geschehen war, Nachricht mit.

Das Dekanat gab die Sache in einem Berichte weiter, der folgenden merkwürdigen Wortlaut hat: „Auf Wunsch des evangelischen Pfarramts Hutzdorf, daß es gelegentlich Gr[oßherzoglichem] Oberkonsistorium mitgeteilt werde, gestatte mir gehorsamst zu berichten, daß die zur Pfarrei Hutzdorf gehörige Filialgemeinde Sandlofs eine kleine Kirchenorgel erworben hat, und daß diese am 14. d. M. unter sehr zahlreicher Beteiligung der Gemeinde vom [der]zeitigen Pfarrer Herrn Specht eingeweiht worden ist. Seither besaß die Kirche eine Orgel nicht.“ (vgl. Dr. Volker Puthz, Über die Kirchenverhältnisse in Sandlofs, Nr. 31; Schlitzer Bote, 19.08.2006)

Instandsetzunen 1953,1981 und 2012

Octave 2 Fuss


„Im Sommer 1953 wurde die Instandsetzung der Orgel mit Hilfe des Orgelsachverständigen, Herrn Pfarrer Suhe/Hersfeld begonnen. Vorher fand eine Probevorführung des von der Firma Hohner herausgebrachten Instruments „Multimonica“ statt, dessen Anschaffung aber vom Kirchenvorstand abgelehnt wurde. Die wurmstichigen Teile der Orgel wurden ausgebaut. Im Januar 1954 fand in einem Abendgottesdienst die Einweihung der von der Firma Nuhn/Kirchheim-Niederaula generalüberholten Orgel, die auch erstmalig ein elektrisches Gebläse bekommen hat, statt. Pfarrer Suhe fungierte als Organist und seine Schwägerin als Solosängerin.“ (Pfarrchronik, 1953)

Eine weitere Überholung der Orgel geschah 1981 durch die Firma Gebrüder Hoffmann Ostheim vor der Rhön.

Im Jahr 2012 ließ die Kirchengemeinde Sandlofs ihre Orgel nocheinmal überholen. Die Arbeiten führte die Orgelbauzfirma Förster & Nicolaus aus.
Trotz aller Aufwendungen und Erhaltungsmaßnahme genügte die Orgel aber nicht mehr den aktuellen Erfordernissen.
Deshalb hat sich die Kirchengemeinde entschlossen einen Orgelneubau ins Auge zu fassen.

Disposition der alten Orgel in Sandlofs

Disposition der alten Orgel in Sandlofs:

MANUAL C-c3; (49 Tasten)

Lieblich Gedackt 8 Fuss Holz
Octave 4 Fuss Expressionsstimmschlitze
Octave 2 Fuss normale Stimmschlitze, 1981 aus älteren Beständen an Stelle eines 8‘-Registers.

Kein Pedal, mechanische Schleiflade, Einfaltenmagazin im Untergehäuse, Schöpfbalg beim Einbau des Motors stillgelegt; Pfeifenwerk sehr uneinheitlich, einzelne Pfeifen des Gedackt möglicherweise alt, Metallpfeifenwerk jünger.

Orgelübergabe an die Musikschule Schlitz, 2020

Die Sandlofser Orgel hat eine neue Heimat gefunden

Übergabe der Sandlofser Kirchenorgel an die Musikschule in Schlitz am 19. Juni 2020


Die Musikschule ist um ein historisches Instrument reicher. 133 Jahre lang tat die Sandlofser Orgel ihren Dienst in der Sandlofser Kirche.

Zu freudigen wie auch traurigen Anlässen erfreute sie die Gottesdienstbesucher mit ihrem Klang. In der Pfarrchronik von 1885 ist zu lesen: „Am 2. Sonntag p. Trin. (14. Juni 1885) wurde im Nachmittagsgottesdienst zu Sandlofs die von Orgelbauer Geiß in Schlitz erstandene und wiederhergestellte Orgel mit drei Registern (sie stammt von dem Herrn Dekan Stock aus Stockhausen) von dem Ortsgeistlichen, Pfarrer Specht, geweiht. Das erste Lied, das dann von ihr begleitet wurde war Nr. 278 „Seelenbräutigam“.

Im Kern handelt es sich um ein kleines barockes Werk mit zwei Registern (8‘ und 4‘), welches vermutlich nicht als Kirchenorgel gedacht war. Möglicherweise handelt es sich um eine Hausorgel oder um eine Art Seminarinstrument, was den Verzicht auf sichtbare Pfeifen erklären könnte. Im Jahr 1885 wurde die Orgel um ein zweites 8‘-Register erweitert. An dessen Stelle steht inzwischen die 2‘, vermutlich eingesetzt 1981 bei einer Überarbeitung durch Otto Hoffmann, Ostheim.

In 2012 erfolgte eine größere Reparatur. Interessant ist die historische Klaviatur, die möglicherweise von einem Saiteninstrument stammt. Die Obertasten besitzen einen Knochenbelag, der nicht nur wie üblich auf die Oberseite, sondern ungewöhnlicherweise auch auf die Tastenfront geleimt ist.

Die Orgel wurde als Denkmalinstrument eingestuft und eignet sich in Form, Größe und Klang sehr schön für die Musikschule. Aufgrund der Renovierung der Sandlofser Kirche (seit Mai 2018), entschied sich der Kirchenvorstand Sandlofs für die Anschaffung einer neuen Orgel für das Gotteshaus. Zwei Tage bevor der Bagger in der Sandlofser Kirche mit dem Aufbruch des Bodens begann, hatten am 22. Mai 2018 Orgelbaumeister Kilian Gottwald (Amöneburg) zusammen mit Kirchenvorstandsmitgliedern die Orgel abgebaut und in seine Werkstatt gebracht. Dort wurde sie von ihm überholt.

Es gab zwei Kirchengemeinden, die ihr Interesse an der Übernahme der Orgel bekundet hatten. Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer aber setzte sich damals dafür ein, dass die Orgel in Schlitz bleiben sollte. Sie sollte in der Musikschule ihren Platz bekommen.

„Die altehrwürdige Orgel aus Sandlofs“, so Musikschulleiterin Susanne Behounek anlässlich der offiziellen Übergabe der Orgel, „sei eine Bereicherung für die Musikschule. Die Schule sei eine adäquate Unterbringungsmöglichkeit für dieses Instrument. Kleine wie Große werden durch die Orgel Freude an der Musik haben.“ Susanne Behounek dankte allen, die dies ermöglicht haben.

Von Pfarrer Pierre Bouvain, Sandlofser Kirchenvorstand Hans-Jürgen Wahl, Stadtrat Willy Kreuzer sowie Orgelbaumeister Kilian Gottwald, kamen ebenfalls viele Lobesworte. Genau wie einst bei ihrer Einweihung im Jahr 1885 spielte Kilian Gottwald auf Wunsch von Pfarrer Bouvain das alte Kirchenlied „Seelen-bräutigam“.


Bei der offiziellen Übergabe der Sandlofser Orgel an die Musikschule Schlitz am 19.06.2020 waren Pfarrer Pierre Bouvain, Hans-Jürgen Wahl vom Sandlofser Kirchenvorstand, Orgelbaumeister Kilian Gottwald, Musikschulleiterin Susanne Behounek und Stadtrat Willy Kreuzer zugegen.